Das Sozialraumgebiet in Zahlen

Hier stellen wir Ihnen relevante Daten zum Sozialraumgebiet Mülheim-Nord/Keupstraße/Stammheim, sowie Infos zur Geschichte und Siedlungsentwicklung zur Verfügung. Eine Übersicht aller sozialräumlichen Daten finden Sie hier: https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/statistik/kleinraeumige-statistiken

 

Das Sozialraumgebiet wurde im Jahr 2020 auf Beschluss der Stadt Köln ausgeweitet und erstreckt sich seitdem vom Wiener Platz im Süden, bis zum Rhein im Westen und bis nach Stammheim im Norden. Durch die Erweiterung erhöht sich die Anzahl der Einwohner*innen im Sozialraumgebiet von 15.354 auf 26.979. Davon leben etwa 5620 Menschen im Quartier rund um die Keupstraße und Wiener Platz, 11.500 im Quartier Mülheim-Nord und der Böcking Siedlung sowie 4160 in Stammheim.

 

Alter

Das durchschnittliche Alter beträgt 39,5 Jahre und liegt damit rund zwei Jahre unter dem Kölner Durchschnitt von 41,8 Jahren. Dabei ist der Anteil der 28-60- Jährigen mit 48,8% am höchsten, gefolgt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 0 -27 Jahren mit 28,9%. Die kleinräumliche Betrachtung zeigt, dass insbesondere im Quartier rund um die Keupstraße mit 40,7% ein überdurchschnittlicher Anteil von unter 28-jährigen Menschen lebt. Der Anteil der Einwohner*innen von 60 bis über 90 Jahren liegt mit rund 16% deutlich unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt von 23,8%.

 


Internationale Geschichte

Im Sozialraumgebiet haben 60,3% der Bewohner*innen einen Migrationshintergrund (nicht selbst mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren / min. ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren). Der Anteil der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund liegt bei 79,8%. Von diesen hatten 2022 über die Hälfte (59,6%) nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
Die größte Gruppe der Herkunftsländer bilden europäische Staaten außerhalb der EU mit 41,7%. Der Anteil der Einwohner*innen mit Bezug zur Türkei ist mit 27,6% am höchsten.

30% der Einwohner*innen mit Migrationshintergrund kommen aus Ländern der EU. Dabei bilden die Einwohner*innen mit Bezug zu Bulgarien und Rumänien den größten Anteil mit 12,2%.

 

Haushalte und Wohnen

Das Sozialraumgebiet umfasst im Jahr 2022 insgesamt 13.816 Haushalte. Einpersonenhaushalte bilden mit 53% dabei die größte Gruppe. Der Anteil der Alleinerziehendenhaushalte liegt mit 29,2 % über dem der Gesamtstadt mit 22,8%. Der Anteil der Haushalte mit Kindern liegt mit 19,3% nur knapp über dem gesamtstädtischen Anteil von 18,2%. Im Sozialraumgebiet wohnen durchschnittlich im Vergleich zur gesamt Köln (7,2) fast doppelt so viele Personen (13,7)  je bewohnter Adresse.

Die Eigentümerstruktur in beiden Sozialraumgebiet ist durch einen hohen Anteil an Einzeleigentümern geprägt. Der Wohnungsbestand des städtischen Tochterunternehmens GAG Immobilien AG ist mit rund 800 Wohneinheiten vergleichsweise gering.

 

 

Leistungsberechtigung SGBII und SGBXII

Der Anteil der SGBII Leistungsberechtigten Menschen von 0 Jahren bis zum Renteneintritt liegt bei 40% und ist im Vergleich zur Gesamtstadt (12%) deutlich höher.
Nimmt man verschiedene Altersgruppen in den Fokus sind die Anteile teilweise sogar um ein Vielfaches höher:  Im Gebiet rund um die Keupstraße sind 80,2% der 10-15-Jährigen leistungsberechtigt.
Der Anteil der Leistungsberechtigten von Grundsicherung im Alter (SGBXII) liegt im Sozialraum bei 18% und damit doppelt so hoch wie der Anteil der Stadt Köln (9%). In Stammheim liegt der Anteil bei 25%.

 

Beitragsbefreiung

Im Vergleich zur Stadt Köln ist der Anteil der Beitragsbefreiungen für Kita- und OGS-Plätze besonders hoch. Knapp 50% der Kinder bis 6 Jahren, sowie 57% der Kinder von 6-10 Jahren sind beitragsbefreit. In der Hacketäuer Siedlung sind 84,3% aller betreuten Kinder unter 6 Jahren beitragsbefreit. Das bedeutet, dass das Haushaltseinkommen der Familien dieser Kinder unter 12.272€ liegt.

 

 

Von der Rheinprovinz zur Stadt Köln- Siedlungsentwicklung in Köln-Mülheim

Mülheim in der Rheinprovinz

Seit 1815 ist Mülheim Sitz des neu gebildeten Kreises Mülheim in der Rheinprovinz und wird inoffiziell als Industriestadt bezeichnet. Während der Industrialisierung begann die Siedlungsentwicklung um 1850 mit den Arbeitervierteln um das Carlswerk und den Böckingpark. 1851 eröffnete die Bleiweißfabrik „Lindgens & Söhne“ ihr Werk im Mülheimer Süden. 1872 wurden die Schamottefabrik „Martin & Pagenstecher“ sowie das Walzwerk „Böcking & Cie“ eingeweiht. 1874 begann die Drahtseilerei „Felten und Guilleaume“ ihre Produktion. Durch die Eisenbahnverbindung zwischen Deutz und dem Ruhrgebiet und später zwischen Minden und Berlin wuchsen Wirtschaft und Bevölkerung stark. 1845 lag die Einwohnerzahl bei 5000, 1900 bei 45.000 Menschen.

1901 erhielt Mülheim am Rhein die offizielle Anerkennung als „Stadt“ mit eigenem Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Steinkopf. In seiner Amtszeit wurde 1908 eine Eingemeindungskommission gewählt, die einen 15 Punkte Katalog an Köln erstellte: Man forderte den Neubau eines Gymnasiums, eines Amtsgerichts, einer neuen Rheinbrücke, einer Markthalle, einer Straßenbahnverbindung nach Bergisch Gladbach und Kalk sowie eine Müllverbrennungsanlage (Quelle: KSTA 2014). Der Kölner Oberbürgermeister Max Wallraf lehnte den Forderungskatalog als zu teuer ab und Berhard Clostermann wurde neuer Bürgermeister von Mülheim.

Bereits 1909 verlangte der Kölner Regierungspräsident neue Verhandlungen zur Eingemeindung. Inzwischen hatte sich die Finanzlage Mülheims stark verbessert, so dass Mülheim selbst die geforderten Baumaßnahmen umsetzen konnte. Aus Kölner Sicht war eine Eingemeindung Mülheims aus finanziellen Gründen verlockender denn je. Doch auch die zweite Verhandlungsrunde scheiterte an monitären Streitigkeiten.

Im Jahr 1910 folgt die Eingemeindung von Kalk und der Gemeinde Vingst. Bei einer Eigenständigkeit wäre die Rheinprovinz Mülheim zur Stadt in der Stadt geworden.

Doch die Verhandlungen dauerten und erst 1913 einigte sich Köln und Mülheim, durch die Vermittlung des Regierungspräsidenten. Bürgermeister Clostermann beschwor die Städteverordnetenversammlung: „Nur diese Vereinigung kann die Rivalität auf den verschiedenen wirtschaftlichen und kaufmännischen Gebieten – denken Sie nur an die Häfen – beseitigen und diese Gebiete wirklich nutzbringend für die Allgemeinheit gestalten und herausbilden“. Seiner Rede folgte die Zustimmung der drei Mülheimer Parteien, Gegenstimmen gab es keine.

Im neu aufgelegten 5 Punkte Plan stellte Mülheim nun folgende Forderungen:

  • Ersatz für die Schiffsbrücke,
  • der Erhalt der Mülheimer Gottestracht,
  • Steuergleichheit,
  • Bestand von Verwaltungsstellen und
  • Bestand der Sparkasse

 

Mülheim wird nach Köln eingemeindet

Im Juni 1914 beschlossen die Stadtverordneten beider Städte den Eingemeindungsvertrag rückwirkend auf den 1.4.1914.

Die Kölnische Zeitung schrieb 2014: „Die Nachbargemeinden Mülheim und Merheim haben ihre Selbstständigkeit verloren und sind dem mächtigen Körper des alten und doch ewig jungen, ja jeden Tag von neuem sich verjüngenden Kölns angegliedert worden.“

Das Mülheimer „Komitee zur Abwehr der Eingemeindung“ kämpfte bis zum Vertragsabschluss vergeblich, den Vereinigungsvertrag zu verhindern. Vor allem der Mittelstand war gegen den Beitritt. Er fürchtete, dass Mülheim seine Zentrumsfunktion verliert (vgl. KSTA 2014).

Text: Nadja Oertel

 

Verwendete Textquellen:

Kölner Stadtanzeiger, (2014): https://www.ksta.de/koeln/muelheim/-koeln-muelheim-100-jahre-nach-der-eingemeindung-2621390 (abgerufen am 26.2019).

Wikipedia Köln- Mülheim (2019): https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClheim_(K%C3%B6ln) (abgerufen am 26.2019).

Stadt Köln (2015): https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/starke-veedel/integriertes_handlungskonzept_nach_schlusszeichnung_ob.pdf (abgerufen am 26.2019).

Bildquelle: Elektrische Straßenbahn der Linie Mülheim-Ehrenfeld an der Buchheimer Straße um 1910. Quelle: Die Handelskammer für den Kreis Mülheim am Rhein (1871–1914) Heinz Hermanns.